Glas
Glas wird aus Quarzsand im Hüttenofen unter Zusatz von Schmelzmitteln hergestellt. Physikalisch gesehen ist Glas eine überkühlte Flüssigkeit in festem Zustand. Je nach Zusammensetzung der Zutaten ändern sich die Eigenschaften von Glas. Glas ist ursprünglich grünlich oder bräunlich gefärbt. Dies ergibt sich aus den natürlichen „Verunreinigungen“ der Bestandteile, erst nach gründlicher Reinigung der Rohstoffe und der Entfärbung des Glases erhält man klares Glas. Glas konnte auf zwei Arten entfärbt werden, auf physikalischem oder chemischem Weg. Bei der physikalischen „Entfärbung“ des Glases, nach dem Gesetz der Komplementärfarben, wurde die grünliche Färbung des Glases durch die Zugabe von rötlich-violett aufgehoben. Dies geschah meist durch die Zugabe von Braunstein. Die chemische Entfärbung des Glases geschah mit Hilfe von oxydierenden Entfärbungsmitteln, z.B. Arsenik oder Salpeter.
Auf ähnlichem Weg wird die Färbung eines Glases erreicht. Durch die Zugabe von Metalloxyden können unterschiedliche Farben des Glases erreicht werden, z.B. blau, grün oder gelb durch die Zugabe von Eisen, blau, grün oder rot durch Kupfer oder rubinrot durch Gold. Durch die Verwendung vom Bleioxyd Minium (bekannt als Mennige) entsteht Bleikristall, ein relativ leicht schmelzbares und sehr klares Glas das sich hervorragend zum Schleifen eignet.
Die Erfindung des Glases fällt in die Bronzezeit (5.-4. Jahrtausend vor Christus) und ist vermutlich ein Nebenprodukt der Keramikproduktion. Die Glasuren keramischer Objekte können als Vorgänger bezeichnet werden. Anfangs wurden nur kleine Objekte hergestellt, wie z.B. Amulette, Anhänger oder kleine Fläschchen. Die Gläser der Antike haben einen hohen Alkaligehalt, dieser gestattet das Schmelzen bei niedrigeren Temperaturen (1100 C) und führt dazu dass die Glasmasse nur langsam erstarrt, d.h. länger formbar bleibt. Im 1. Jahrhundert vor Christus wird die Glasmacherpfeife in Syrien erfunden, diese ermöglicht die Herstellung von geblasenem Glas und ersetzte die bis dato verwendeten Herstellungsverfahren nahezu vollständig. Die Glaserzeugung wurde durch die Glasmacherpfeife vereinfacht und verbilligt und vergrößerte sich um ein Vielfaches. Die Glasmacherpfeife ist ein 1-1,5 Meter langes Eisenrohr mit Mundstück an deren Ende die Glasmasse aufgesetzt und dann „aufgeblasen“ wird. Durch die Römer wurde die Glasmacherpfeife nach Italien gebracht; in Köln und Gallien entstand eine bedeutende Glasindustrie.
Venedig
Im 13. Jahrhundert befanden sich auf der Insel Murano bei Venedig die meisten Glashütten Europas. Im Jahre 1291 waren alle Glasmacher in Venedig auf die Insel Murano verwiesen worden. Beeinflusst von der islamischen Kunst entwickelte sich in das erste europäische künstlerisch gestaltet Glas im 15. Jahrhundert.
Im ausgehenden 15. Jahrhundert haben die venezianischen Glasmacher eine Vorliebe für bunte, leuchtende Gläser, die antiken Gläser die den Achat und andere Halbedelsteine nachahmten wurden ebenso favorisiert wie die Wiederaufnahme der Millefioritechnik. Die typische Technik dieser Zeit war das „vetro il filigrana“, das sogenannte Fadenglas. Im Laufe der Zeit wurden die Gläser immer dünner und feiner, die Gläser komplizierter und aufwendiger. Obwohl Gesetze und Maßnahmen die Abwanderung von Glasmachern aus Venedig sehr erschwerten gab es einige die ihr Glück in anderen Ländern suchten.
Europa
In vielen Ländern entstanden so neue Glashütten die zu großen Teil jedoch stark mit den Schwierigkeiten der Rohstoffbeschaffung zu kämpfen hatten. In Frankreich und in den Niederlanden gelang es den Ausgewanderten erfolgreich Fuß zu fassen und dort Gläser „a la facon venise“ herzustellen. Diese lassen sich heute nur sehr schwer von den venezianischen Gläsern dieser Zeit unterscheiden. Im ausgehenden 17. Jahrhundert traten vermehrt böhmische Glashändler auf, die den etablierten Venezianern zunehmend Konkurrenz machten. Ihre Glaspretiosen aus schwerem Kreidekristallglas und die neuen Dekortechniken des Glasschliffs und des Glasschnitts sowie die günstigeren Preise machten böhmisches und schlesisches Glas erfolgreich, das Bleikristall wird 1674 erfunden.
Waldglas
Nördlich der Alpen entstanden im 16 Jahrhundert sogenannte Waldglashütten. Diese inmitten ausgedehnter Waldungen angesiedelten Glashütten bezogen ihre Rohstoffe (Sand, Ton, Brennholz, Pottasche) aus der Umgebung. Die Grünfärbung des Glases kommt durch die Beimengung von Eisenoxyd, erst um 1620 gingen die Hütten dazu über das Glas zu entfärben. Bedeutende deutsche Waldhütten gab es in Schlesien und Böhmen, im Spessart, in Hessen, Thüringen, Franken, Sachsen und Hannover, sowie im Fichtelgebirge und in Tirol. Die Erzeugnisse dieser Hütten waren weniger kostspielig und entsprachen mehr dem Geschmack der mittleren Bürgerschichten.
18. Jahrhundert
Der Glasschnitt und der Glasschliff waren bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts vorherrschende Dekorationsform und wurden seit Mitte des 17. Jahrhunderts von der Emailbemalung und der Schwarzlotmalerei ergänzt.
Mit dem Aufschwung der Glasindustrie wurde das Interesse an farbigem Glas immer größer. Beliebt waren unter anderem blaugefärbtes Kobaltglas, Opalglas und Rubinglas. Der für Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg arbeitende Chemiker Johann Kunckel (ca. 1620-1703) fand bei seinen Experimente heraus das sich mit Gold als Farbstoff eine außergewöhnliche Rotfärbung des Glases erzielen lässt. Die Rotfärbung von Glas mit Kupfer war seit der Antike bekannt, doch das neue Glas besaß einen sehr viel schöneren Farbton und wurde durch die ihm zugeschriebenen magischen Kräfte gefragt.
Durch die Importe chinesischen Porzellans durch die Ostindische Kompanie im 17. Jahrhundert, verstärkten sich die Bemühungen das Porzellan durch Glas nachzuahmen. Das weiße Milchglas wurde meist aufwendig bemalt, ahmte aber erst im 18. Jahrhundert die Formen und Dekore des Porzellans nach.
Im ausgehenden 18. Jahrhunderts erobert das englische und irische Glas, dekoriert mit Stein- oder Brillantschliff, den europäischen Markt. Dekorelemente des Klassizismus prägen die Ästhetik der Glaswaren. Die Gläser sind beim Publikum sehr beliebt und veranlassen auch die, unter einer Absatzkrise leidenden, böhmischen Hütten dazu die Dekore.
19. Jahrhundert
Im ersten Viertel des 19. Jahrhundert sind Gläser mit transparenter Emailmalerei höchst beliebt, herausragende Vertreter sind Samuel Mohn und Anton Kothgasser. Es kam in Mode mit den Gläsern die Farbtöne von Edelsteinen zu imitieren, Voraussatzung dafür war die Erfindung des schwarzen- und siegellackroten Hyalith Glases durch Georg Graf von Buquoy und das marmorierte Lithalyn von Friedrich Egermann. Die Gläser werden häufig mit Goldlack dekoriert.
Jugendstil
Um 1900 stand die Glaskunst maßgeblich unter französischem Einfluß. Inspiriert durch die Kunst Japans schuf der aus Nancy stammende Emile Galle (1846-1904) Glasobjekte deren Dekore die Flora und Fauna darstellten. Zu seinen Nachfolgern gehören Auguste und Antonin Daum. Der Amerikaner Louis Comfort Tiffany begann 1893 mit der Produktion des „Tffany Favrile Glass“, ein mit seidigem Lüstereffekt und verschiedenen Iristönen geschmücktes Glas.
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